Der liebe Sarrazin

Die deutsche Öffentlichkeit reagiert gespalten auf die Publikation des Verwaltungsspezialisten1 Thilo Sarrazin. Dabei ist zunächst festzuhalten, dass die wesentlichen und in den Medien diskutierten Thesen seiner beiden jüngsten Publikationen »Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen« und »Europa braucht den Euro nicht. Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat« alles andere als political correct oder common sense wären. Insoweit müssen die populärwissenschaftlichen Publikationen also entweder mutig oder aufmerksamkeitsheischend genannt werden.

Bei Sarrazin stellt sich aber dummerweise das Problem, dass grundsätzlich keine – oder keine offenkundig – nachvollziehbare Notwendigkeit für ausgeprägten Populismus gibt. Anders als zum Beispiel im Falle von Wolfgang Clement nach der Bundestagswahlniederlage 2005 mit anschließender parteipolitischer Bedeutungslosigkeit oder schon früher bei Peer Steinbrück als scheidendem Finanzminister war Sarrazin zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichungen Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, hatte zuvor für diese Position sein Amt als Berliner Finanzsenator niedergelegt und konnte auf eine absolut erfolgreiche Karriere im öffentlichen Dienst zurückschauen. Dies alles macht es schwer seine unbequemen Thesen a priori ad absurdum zu führen. Diese Fakten allein bieten aber freilich auch keine Indikation über den wirklichen Sinn oder Unsinn seiner Thesen.

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  1. So genannt auf Wikipedia

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